Gefahrenhinweis: Nähe zu leiblichen Eltern – Distanz schützt das fragile Gleichgewicht

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Manchmal ist es verführerisch, sich mit den leiblichen Eltern oder einem leiblichen Elternteil zu solidarisieren. Will man die elterliche Sorge haben, lohnt es sich, die leiblichen Eltern zu umgarnen. Will man den (störrischen) leiblichen Elternteil möglichst aus dem Umgang heraushalten, unterstützt man vielleicht eher die Umgangswünsche des anderen leiblichen Elternteils. Findet man die leibliche Mutter sympathisch, freundet man sich an und grillt zusammen im eigenen Garten. Hier ist stets Zurückhaltung geboten. Das Verhältnis Pflegeeltern-leibliche Eltern ist besonders, fragil und komplex. Es kann sich schnell in die andere Richtung drehen, Stimmungen kippen, Meinungen ändern sich. Man sollte leibliche Eltern weder hassen noch lieben. Man sollte eine freundliche, aber sachlich distanzierte Ebene finden. Je besser man sich auf dieser Ebene „versteht“, desto wenige Stress und Irritation gibt es im System. Freundschaften mit den leiblichen Eltern, Verständnis, Mitleid oder Solidarität irritieren dieses besondere Verhältnis., Darum eher Finger davon.

 

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Anmerkung vom Autor: In diesem Beitrag ging es mir nicht um einen klassischen „Gefahrenhinweis“, der allgemein davor warnen soll, sich mit der gegenüberstehenden Seite anzufreunden. Wie immer hängt vieles von den Umständen, den beteiligten Personen und vor allem dem Kind ab. Dass ein enges, vertrauensvolles Verhältnis zwischen Pflege- und Herkunftseltern bei besonders schutzbedürftigen Pflegekindern, etwa mit Behinderung, besonders wertvoll ist, liegt auf der Hand. Aus meiner Arbeitserfahrung heraus wollte ich berichten und betonen, dass ein wertschätzendes, freundschaftliches, aber dennoch professionell distanziertes Verhältnis oft hilfreich ist – besonders zu Beginn und in Krisensituationen (Streit, Gerichtsverfahren, Krankheit). Wenn Vertrauen und Klarheit entstehen, kann sich die Beziehung natürlich weiterentwickeln. Mir ist es wichtig, die Besonderheit dieser Beziehung zwischen den beiden Familien nicht aus den Augen zu verlieren, gerade weil sie rechtlich unterschiedlich ausgestattet sind. Dieses Gefüge sollte nicht durch spontane Gefühle oder impulsive Entscheidungen verwischt werden.